Dienstag, 6. Juli 2010

Abschied von Kolsaj

Die vergangene Nacht war zwar auch kalt, aber dank Schlafsack-Tausch etwas erträglicher für mich. Leider hatte uns heute weder die Sonne besonders verwöhnt noch ein ausschweifendes Frühstück, denn da wir noch viel vorhatten, mussten wir allmählich unsere Sachen zusammenpacken.
Mit kaum merklich weniger Gepäck, aber wesentlich ausgeschlafener und diesmal bergab ging's dann wieder zurück Richtung See Nr. 1
4-blättriges Kleeblatt gefunden... ich Glückspilz!
Nach nur 2 Stunden entspanntem Wandern war er plötzlich schon wieder da, der erste See.
An dem mussten wir aber noch eine gute Stunde entlang laufen und dann, endlich, hatten wir den Parkplatz erreicht.
Die letzten Meter:
Am ersten See schien es nur Regen zu geben, sowohl bei unserer Ankunft vor 2 Tagen, als auch beim Abschied regnete es, war trüb und wolkenverhangen.
Auf dem Rückweg durch die Steppe konnten wir erstaunliche Wolkengebilde, dunkelblauen Himmel und aufregende Unwetter beobachten.
Und weil es grad so günstig auf dem Weg lag, machten wir noch einen Zwischenstop bei einem alten Bekannten von mir: dem Charyn-Canyon. Der treue Leser mag sich erinnern, dass ich auch dort auf meiner ersten Tour im März bereits war und Zeuge eines Schneesturms im sonst so wettermäßig begünstigten Canyon wurde. Auch diesmal allerdings drohten von allen Seiten tiefe schwarze Wolken, es wehte ein starker, warmer Wind, aber wenigstens war die Aussicht diesmal besser.
Und, weil er es so gut kann, hier nochmal ein Bild vom Meister aller Hüpf-Posen:
Nach einer Stunde Hüpfen und Durchwehen-lassen, fuhren wir weiter gen Almaty, natürlich nicht, ohne zwischendurch nochmal in Bayseit das leckerste Brot der Welt einzupacken und kurz vor Almaty einen großartigen Ausblick auf Peak Talgar, den höchsten Gipfel der Umgebung zu erhaschen.
(rechts im Bild, der weiße, der sich hinter den Wolken versteckt)
Erst gegen 9 erreichten wir unser ZuHause, nachdem wir noch alle anderen heimgebracht hatten und einkaufen waren und so fielen wir frisch geduscht und totmüde in ein sauberes, gemütliches Bett.

Montag, 5. Juli 2010

Tag am See

Erst heute morgen beim Aus-dem-Zelt-krabbeln offenbarte sich, welch wunderschöne Stelle wir als unsere Lagerstatt ausgesucht hatten.
Erster morgendlicher Besucher:
Die Nacht war kalt und ungemütlich gewesen, ich habe kaum ein Auge zugetan und bin erst in den Morgenstunden, als es allmählich warm wurde, etwas weggedämmert. Trotzdem fühlte ich mich erstaunlich fit, denn bei so strahlendem Sonnenschein war doch die ganze Welt großartig.
Wir breiteten unsere Frühstücksschätze aus und ließen uns mit demselben ordentlich Zeit.
Schon jetzt sah man die ersten Touristengrüppchen, die sich offensichtlich früh am Morgen am See Nr.1 aufs Pferd gesetzt hatten und nun innerhalb von 2 Stunden hier hochgeschunkelt kamen.
Zwischendrin bekamen wir noch Besuch von irgendwelchen verschmusten Hunden, die es erstaunlicherweise gar nicht auf unsere Frühstücksreste, sondern nur auf Streicheleinheiten abgesehen hatten.
Aber auch das schönste Frühstück auf der schönsten bunten Sommerwiese ist irgendwann vorbei. Heute wollten wir zum 3. See weiterwandern und abends bei unseren Zelten zurücksein.
Die Motivation dazu ordnete sich dem Gruppenzwang unter, aber schon nach einer halben Stunde, in der wir uns wiederum nur im Wald durch Gestrüpp kämpften, nahm die fehlende Motivation bei Thomas&mir überhand, wir verabschiedeten uns von den anderen und gingen zurück zum Lager, wo wir den Rest des Tages auf einer Anhöhe verbrachten, unsichtbar für die vielen Touristen, die im Laufe des Tages an diesem See ankamen, aber mit bester Sicht zu allen Seiten.
Abwechslung brachten hier und da ein Nickerchen, böse Regenwolken mit kurzen Schauern und ein Mini-Exkurs ein paar hundert Meter weiter.
Was für ein herrlicher Faulenztag!
Ungeduldig wurden wir gegen 7, als von unseren Wanderfreunden und einem nahen Abendessen nichts zu sehen war. Mit Salzbrezeln und M&Ms hielten wir uns über Wasser, beobachteten die Umgebung, hielten Wetten ab, von welcher Seite sie wohl kommen würden und öffneten schonmal den Wein... Zwischendurch kam eine Gruppe Taucher am See an, die ihr Equipment auf 17 Pferden verladen hatten und dann allen Ernstes anfingen, sich für einen Tauchgang im eisekalten See fertig zu machen. Naja, hatten wir wenigstens was zu gucken...
Erst nach 8 trudelten die See-Nr.3-Bezwinger ein, wir konnten endlich unser Abendessen kochen und krochen dann wiederum verfroren in die Zelte. Angeblich sollte der See 4°C kalt gewesen sein (was wir für ein Gerücht hielten, weil dann Thomas bestimmt nicht vorher beim Testbad ohne Erfrierungen davongekommen wäre) und die Lufttemperatur war sicher auch nur 7-8°C.
Diese Berge sind wahrlich nicht zu unterschätzen!

Sonntag, 4. Juli 2010

Unterwegs zu den Kolsaj Seen

Nach einer äußerst kurzen Nacht haben wir heute morgen um 6 unsere Rucksäcke gepackt und haben mit Heiko, Aggj und Dina die Stadt für 3Tage verlassen. Unser Ziel war ein Nationalpark südöstlich von Almaty mit 3 schönen Seen, die man alle nacheinander erwandern können soll. Die Strecke bis dahin beträgt zwar nur 300km, aber aufgrund der Straßenverhältnisse kommt man nicht in weniger als 6 Stunden dort an. Wenn man so viele Stops unterwegs macht, wie wir, kann man auch mal locker 8-9Stunden unterwegs sein.
Unseren ersten Stop legten wir spontan in Molowodnoje ein, weil hier heute Viehmarkt war.
Hier verkaufte jeder, was er im Laufe des Frühlings rangezüchjtet hatte oder loswerden wollte.
Schäfchen...
...Pferdchen und außerdem Rinder und alles mögliche Zubehör.
Im Grunde jedoch traf man sich -wie überall auf der Welt- bei solchen Gelegenheiten zum Klönen und Neuigkeiten-austauschen...
...und natürlich zum Biertrinken. Morgens halb 11 in Kazakhstan...
Obwohl Dina ein Pferd probegeritten hatte, entschieden wir uns aus Platzgründen dagegen und begaben uns zurück zum Auto. Aber was war das? Was steht denn da im Straßengraben achtlos herum? Und was wuchert bei genauem Hinsehen aus allen Ecken?
Wilder Hanf:
Hach, hatten wir da einen Spaß! (Bild bitte anklicken und vergößern sonst entgehen Euch die Gesichtsausdrücke :-)
Den nächsten Stop machten wir in Bayseit, dem Uigurendorf mit dem leckersten Brot der Welt, das ich schon im März mal besucht hatte.
Auch wenn es aussieht, als wird der kleine Mann bedroht, haben wir für unser ausgesprochen köstliches Hühnchen-Schaschlik natürlich bezahlt.


Frisch gestärkt gings dann weiter in unbesiedeltere Gegenden und endlich in die endlosen Weiten der Steppe.
Wer tanzt mir denn da auf der Hand rum?
Ahhh, ein fliegender Krieger:
3 Poser:
Ein blaues Blumenmeer vor einem muslimischen Friedhof.
Romantisch:
Und ja, trotz diverser Foto- und Pinkelstops hatten wir es am frühen Nachmittag geschafft, am Parkplatz und Ausgangspunkt für die Wanderung anzukommen. Natürlich hat es geregnet, nachdem wir 9 Stunden durch den Sonnenschein gefahren waren. Und natürlich waren wir alles andere als fit mit nur 3 Stunden Schlaf und gelegentlichem, unbequemen Rumgedöse im Auto. Aber da half nix, Rucksack aufgeschnallt (schätzungsweise 15kg, die Männer hatten sicherlich 20kg) und losgestöckelt.
Gruppenbild vor Kolsaj-See Nr. 1
Die ersten 2 Stunden gestalteten sich recht angenehm, der Weg ging mal gemächlich aufwärts, dann wieder abwärts, das Gepäck lag bequem auf den Hüften und das Wetter war optimal für schweißtreibende Aktivitäten. Nur die vielen Leute, die uns entgegenkamen, waren nervig, da der Weg sehr schmal war. Und die zahlreichen Hinterlassenschaften diverser Pferde waren ebenfalls eine Herausforderung, hatte man doch anfangs den Wunsch, weder selbst hineinzutreten, noch mit dem Wanderstock Pferdeäpfel aufzuspießen...
Die Wanderer, denen wir begegneten, waren leicht bekleidet und hatten kaum Gepäck dabei, so richtige Sonntagsspaziergänger. Wiedermal ernteten wir unverständliche Blicke, wie man denn so blöd sein könne, sein Gepäck selbst hier rumschleppen zu wollen und kein Pferd gemietet zu haben...
Nach 2 Stunden änderte sich die gemütliche Wanderung fast schlagartig. Hatten wir in der ersten Hälfte durch das stete Auf und Ab grademal 35 Höhenmeter zurückgelegt, hatten wir nun in weiteren 2 Stunden fast 400 Höhenmeter zu bewältigen.
Meine Konstitution ließ sehr zu wünschen übrig, meine Beine zitterten bei jedem Schritt, ich stolperte über jede zweite Wurzel, weil ich die Füße nicht mehr so hoch heben konnte, nach 3 Schritten musste ich eine Pause einlegen... kurz gesagt: ich bin förmlich gestorben. Und der Weg war so unattraktiv, führte durch dunklen Wald, ohne Aussicht, ohne, dass ein Ende erkennbar war, ohne dass man auch nur annähernd Gefallen am Wandern finden könnte. Nee nee nee, das war nicht das, wofür ich diese Qualen auf mich genommen hatte. Aber was half es, wir wollten schließlich vor Nachtanbruch einen Schlafplatz gefunden haben. Von den anderen erntete ich mitleidige Blicke, ich sah wohl wirklich schrecklich aus. Aber Gepäck-abgeben an die anderen kam gar nicht in Frage. Ich weiß auch nicht, woher die fröhlich plappernde Dina ihre Energie genommen hatte, aber mich hat sie damit fast wahnsinnig gemacht...
Nach 4 Stunden kamen wir dann tatsächlich ganz unvermittelt an eine Lichtung und vor uns erstreckte sich der zweite See und ich konnte es gar nicht glauben, dass die Tortur nun zu Ende sein sollte...
Dummerweise hatten wir die Regenwolken anscheinend mitgeschleift und so mussten wir im Eiltempo unsere Zelte aufbauen.
Wie das im Gebirge aber nun so üblich ist, war der Regen auch schnell wieder weg und obwohl ich mittlerweile arg durchgefroren war, konnte ich nicht so verschwitzt in frische Klamotten schlüpfen und so bissen Thomas und ich die Zähne zusammen und wuschen uns auf 2300m Höhe im eisekalten See und fühlten uns großartig danach!
Abendessen gab's dann bereits im Dunkeln, lecker Nudeln mit Sauce mit Campingkocher zubereitet und über uns ein so phantastischer, heller Sternenhimmel... da war ich wieder versöhnt mit der Welt.

Samstag, 3. Juli 2010

Almaty zu zweit

Endlich, endlich hat mich mein Schatz besucht und ich konnte die ganzen kasachischen Eindrücke und vor allem die Stadt, in der ich seit über 4 Monaten lebe, mit jemandem teilen.
Thomas' Flieger kam in der Nacht von Freitag zu Samstag an und so schliefen wir am Samstag erstmal gemütlich aus, bevor wir uns in meinen Lieblingstrolleybus Nr. 9 setzten und gemütlich durch die Stadt schunkelten.
Hier gab's dann erstmal zur Eingewöhnung Frühstück bei einer Amerikanischen Kaffeehauskette (nein, Starbucks gibt's hier leider nicht)Frisch gestärkt konnten wir nun durch grüne Parks zum Grünen Basar laufen, wo Thomas angesichts der vielen frischen Sachen kaum aus dem Staunen herauskam.
Die Gemüseabteilung:
Die Obstabteilung (Erdbeeren und Himbeeren im Überfluss):
Und natürlich die Fleisch-Abteilung.
Die Markthalle war weder besonders gekühlt noch sauber, hier hing das Fleisch einfach so, wie es vor einer halben Stunde gschlachtet wurde, an Metallstangen. Mir wurde zwar schlecht bei so einer Ansammlung ungekühlten, frischgeschlachteten Fleischs, wo teilweise noch das ganze Tier erkennbar war, bzw. Zungen, Hinterbeine oder ganze Köpfe ausgestellt wurden, aber Thomas fand in Anbetracht nicht-vorhandener Fliegen, dass es gar nicht so unhygienisch gewesen sein konnte...
Mühsam konnt ich ihn aus der Fleischecke ziehen und so brachten wir erstmal unsere Einkäufe nach Hause und veranstalteten ein Erd-Him-Brombeer-Fest.
Danach gings wieder weiter, durch verschiedene Bier-Bars bis hin zum Fußball-gucken, wo wir wahrlich nicht die einzigen Deutschen waren, die den 4:0-Sieg über Argentinien feierten.