Montag, 5. Juli 2010

Tag am See

Erst heute morgen beim Aus-dem-Zelt-krabbeln offenbarte sich, welch wunderschöne Stelle wir als unsere Lagerstatt ausgesucht hatten.
Erster morgendlicher Besucher:
Die Nacht war kalt und ungemütlich gewesen, ich habe kaum ein Auge zugetan und bin erst in den Morgenstunden, als es allmählich warm wurde, etwas weggedämmert. Trotzdem fühlte ich mich erstaunlich fit, denn bei so strahlendem Sonnenschein war doch die ganze Welt großartig.
Wir breiteten unsere Frühstücksschätze aus und ließen uns mit demselben ordentlich Zeit.
Schon jetzt sah man die ersten Touristengrüppchen, die sich offensichtlich früh am Morgen am See Nr.1 aufs Pferd gesetzt hatten und nun innerhalb von 2 Stunden hier hochgeschunkelt kamen.
Zwischendrin bekamen wir noch Besuch von irgendwelchen verschmusten Hunden, die es erstaunlicherweise gar nicht auf unsere Frühstücksreste, sondern nur auf Streicheleinheiten abgesehen hatten.
Aber auch das schönste Frühstück auf der schönsten bunten Sommerwiese ist irgendwann vorbei. Heute wollten wir zum 3. See weiterwandern und abends bei unseren Zelten zurücksein.
Die Motivation dazu ordnete sich dem Gruppenzwang unter, aber schon nach einer halben Stunde, in der wir uns wiederum nur im Wald durch Gestrüpp kämpften, nahm die fehlende Motivation bei Thomas&mir überhand, wir verabschiedeten uns von den anderen und gingen zurück zum Lager, wo wir den Rest des Tages auf einer Anhöhe verbrachten, unsichtbar für die vielen Touristen, die im Laufe des Tages an diesem See ankamen, aber mit bester Sicht zu allen Seiten.
Abwechslung brachten hier und da ein Nickerchen, böse Regenwolken mit kurzen Schauern und ein Mini-Exkurs ein paar hundert Meter weiter.
Was für ein herrlicher Faulenztag!
Ungeduldig wurden wir gegen 7, als von unseren Wanderfreunden und einem nahen Abendessen nichts zu sehen war. Mit Salzbrezeln und M&Ms hielten wir uns über Wasser, beobachteten die Umgebung, hielten Wetten ab, von welcher Seite sie wohl kommen würden und öffneten schonmal den Wein... Zwischendurch kam eine Gruppe Taucher am See an, die ihr Equipment auf 17 Pferden verladen hatten und dann allen Ernstes anfingen, sich für einen Tauchgang im eisekalten See fertig zu machen. Naja, hatten wir wenigstens was zu gucken...
Erst nach 8 trudelten die See-Nr.3-Bezwinger ein, wir konnten endlich unser Abendessen kochen und krochen dann wiederum verfroren in die Zelte. Angeblich sollte der See 4°C kalt gewesen sein (was wir für ein Gerücht hielten, weil dann Thomas bestimmt nicht vorher beim Testbad ohne Erfrierungen davongekommen wäre) und die Lufttemperatur war sicher auch nur 7-8°C.
Diese Berge sind wahrlich nicht zu unterschätzen!

Sonntag, 4. Juli 2010

Unterwegs zu den Kolsaj Seen

Nach einer äußerst kurzen Nacht haben wir heute morgen um 6 unsere Rucksäcke gepackt und haben mit Heiko, Aggj und Dina die Stadt für 3Tage verlassen. Unser Ziel war ein Nationalpark südöstlich von Almaty mit 3 schönen Seen, die man alle nacheinander erwandern können soll. Die Strecke bis dahin beträgt zwar nur 300km, aber aufgrund der Straßenverhältnisse kommt man nicht in weniger als 6 Stunden dort an. Wenn man so viele Stops unterwegs macht, wie wir, kann man auch mal locker 8-9Stunden unterwegs sein.
Unseren ersten Stop legten wir spontan in Molowodnoje ein, weil hier heute Viehmarkt war.
Hier verkaufte jeder, was er im Laufe des Frühlings rangezüchjtet hatte oder loswerden wollte.
Schäfchen...
...Pferdchen und außerdem Rinder und alles mögliche Zubehör.
Im Grunde jedoch traf man sich -wie überall auf der Welt- bei solchen Gelegenheiten zum Klönen und Neuigkeiten-austauschen...
...und natürlich zum Biertrinken. Morgens halb 11 in Kazakhstan...
Obwohl Dina ein Pferd probegeritten hatte, entschieden wir uns aus Platzgründen dagegen und begaben uns zurück zum Auto. Aber was war das? Was steht denn da im Straßengraben achtlos herum? Und was wuchert bei genauem Hinsehen aus allen Ecken?
Wilder Hanf:
Hach, hatten wir da einen Spaß! (Bild bitte anklicken und vergößern sonst entgehen Euch die Gesichtsausdrücke :-)
Den nächsten Stop machten wir in Bayseit, dem Uigurendorf mit dem leckersten Brot der Welt, das ich schon im März mal besucht hatte.
Auch wenn es aussieht, als wird der kleine Mann bedroht, haben wir für unser ausgesprochen köstliches Hühnchen-Schaschlik natürlich bezahlt.


Frisch gestärkt gings dann weiter in unbesiedeltere Gegenden und endlich in die endlosen Weiten der Steppe.
Wer tanzt mir denn da auf der Hand rum?
Ahhh, ein fliegender Krieger:
3 Poser:
Ein blaues Blumenmeer vor einem muslimischen Friedhof.
Romantisch:
Und ja, trotz diverser Foto- und Pinkelstops hatten wir es am frühen Nachmittag geschafft, am Parkplatz und Ausgangspunkt für die Wanderung anzukommen. Natürlich hat es geregnet, nachdem wir 9 Stunden durch den Sonnenschein gefahren waren. Und natürlich waren wir alles andere als fit mit nur 3 Stunden Schlaf und gelegentlichem, unbequemen Rumgedöse im Auto. Aber da half nix, Rucksack aufgeschnallt (schätzungsweise 15kg, die Männer hatten sicherlich 20kg) und losgestöckelt.
Gruppenbild vor Kolsaj-See Nr. 1
Die ersten 2 Stunden gestalteten sich recht angenehm, der Weg ging mal gemächlich aufwärts, dann wieder abwärts, das Gepäck lag bequem auf den Hüften und das Wetter war optimal für schweißtreibende Aktivitäten. Nur die vielen Leute, die uns entgegenkamen, waren nervig, da der Weg sehr schmal war. Und die zahlreichen Hinterlassenschaften diverser Pferde waren ebenfalls eine Herausforderung, hatte man doch anfangs den Wunsch, weder selbst hineinzutreten, noch mit dem Wanderstock Pferdeäpfel aufzuspießen...
Die Wanderer, denen wir begegneten, waren leicht bekleidet und hatten kaum Gepäck dabei, so richtige Sonntagsspaziergänger. Wiedermal ernteten wir unverständliche Blicke, wie man denn so blöd sein könne, sein Gepäck selbst hier rumschleppen zu wollen und kein Pferd gemietet zu haben...
Nach 2 Stunden änderte sich die gemütliche Wanderung fast schlagartig. Hatten wir in der ersten Hälfte durch das stete Auf und Ab grademal 35 Höhenmeter zurückgelegt, hatten wir nun in weiteren 2 Stunden fast 400 Höhenmeter zu bewältigen.
Meine Konstitution ließ sehr zu wünschen übrig, meine Beine zitterten bei jedem Schritt, ich stolperte über jede zweite Wurzel, weil ich die Füße nicht mehr so hoch heben konnte, nach 3 Schritten musste ich eine Pause einlegen... kurz gesagt: ich bin förmlich gestorben. Und der Weg war so unattraktiv, führte durch dunklen Wald, ohne Aussicht, ohne, dass ein Ende erkennbar war, ohne dass man auch nur annähernd Gefallen am Wandern finden könnte. Nee nee nee, das war nicht das, wofür ich diese Qualen auf mich genommen hatte. Aber was half es, wir wollten schließlich vor Nachtanbruch einen Schlafplatz gefunden haben. Von den anderen erntete ich mitleidige Blicke, ich sah wohl wirklich schrecklich aus. Aber Gepäck-abgeben an die anderen kam gar nicht in Frage. Ich weiß auch nicht, woher die fröhlich plappernde Dina ihre Energie genommen hatte, aber mich hat sie damit fast wahnsinnig gemacht...
Nach 4 Stunden kamen wir dann tatsächlich ganz unvermittelt an eine Lichtung und vor uns erstreckte sich der zweite See und ich konnte es gar nicht glauben, dass die Tortur nun zu Ende sein sollte...
Dummerweise hatten wir die Regenwolken anscheinend mitgeschleift und so mussten wir im Eiltempo unsere Zelte aufbauen.
Wie das im Gebirge aber nun so üblich ist, war der Regen auch schnell wieder weg und obwohl ich mittlerweile arg durchgefroren war, konnte ich nicht so verschwitzt in frische Klamotten schlüpfen und so bissen Thomas und ich die Zähne zusammen und wuschen uns auf 2300m Höhe im eisekalten See und fühlten uns großartig danach!
Abendessen gab's dann bereits im Dunkeln, lecker Nudeln mit Sauce mit Campingkocher zubereitet und über uns ein so phantastischer, heller Sternenhimmel... da war ich wieder versöhnt mit der Welt.

Samstag, 3. Juli 2010

Almaty zu zweit

Endlich, endlich hat mich mein Schatz besucht und ich konnte die ganzen kasachischen Eindrücke und vor allem die Stadt, in der ich seit über 4 Monaten lebe, mit jemandem teilen.
Thomas' Flieger kam in der Nacht von Freitag zu Samstag an und so schliefen wir am Samstag erstmal gemütlich aus, bevor wir uns in meinen Lieblingstrolleybus Nr. 9 setzten und gemütlich durch die Stadt schunkelten.
Hier gab's dann erstmal zur Eingewöhnung Frühstück bei einer Amerikanischen Kaffeehauskette (nein, Starbucks gibt's hier leider nicht)Frisch gestärkt konnten wir nun durch grüne Parks zum Grünen Basar laufen, wo Thomas angesichts der vielen frischen Sachen kaum aus dem Staunen herauskam.
Die Gemüseabteilung:
Die Obstabteilung (Erdbeeren und Himbeeren im Überfluss):
Und natürlich die Fleisch-Abteilung.
Die Markthalle war weder besonders gekühlt noch sauber, hier hing das Fleisch einfach so, wie es vor einer halben Stunde gschlachtet wurde, an Metallstangen. Mir wurde zwar schlecht bei so einer Ansammlung ungekühlten, frischgeschlachteten Fleischs, wo teilweise noch das ganze Tier erkennbar war, bzw. Zungen, Hinterbeine oder ganze Köpfe ausgestellt wurden, aber Thomas fand in Anbetracht nicht-vorhandener Fliegen, dass es gar nicht so unhygienisch gewesen sein konnte...
Mühsam konnt ich ihn aus der Fleischecke ziehen und so brachten wir erstmal unsere Einkäufe nach Hause und veranstalteten ein Erd-Him-Brombeer-Fest.
Danach gings wieder weiter, durch verschiedene Bier-Bars bis hin zum Fußball-gucken, wo wir wahrlich nicht die einzigen Deutschen waren, die den 4:0-Sieg über Argentinien feierten.

Freitag, 2. Juli 2010

Menschen, Vodka, Emotionen

Liebe Kasachstan-Fans,
Bilder hab ich keine, dafür ein paar unterhaltsame Stories.

  • Sports Klub
Maryam hatte mir versprochen, mir einen echten, untouristischen Independent Rock-Schuppen vorzuführen, in dem es keine Expats und keine Prostituierten gibt, keine überteuerten Getränke und keine elektronische Musik.
Also machten wir uns eines Samstagabends um 12 auf zum Sports Klub, einem Gelände, was aussah wie ein gepflasterter Schulhof mit Bänken und kleiner DJ-Bühne, Babuschkas hinter der Theke und Plastebechern für die Getränke. So ein richtig grauenhafter Studentenclub eben. Er war sehr übersichtlich gefüllt und so holten wir unsere Getränke, setzten uns auf eine Bank und erzählten. Nicht lange dauerte es, bis der erste junge Russe (keine Kasachen in dieser Kaschemme) sich ein Herz fasste und uns auf russich fragte, ob er sich zu uns setzen kann. Keine Chance, war unsere abwehrende Antwort, auf englisch, denn ich kann nicht und Maryam mag nicht russisch sprechen. Wenig später kam Nr. 2 mit einer plumpen Anmache und als auch dieser sich trollte, kam Nr. 1 wieder mit einem Kumpel, der in gebrochenem englisch sagte, sein Kumpel hätte nicht genau verstanden, was wir gesagt hätten. Und da wurde ich sehr deutlich, hab gesagt, wir wollen nur in Ruhe hier sitzen und er solle sich vom Acker machen. Und was sagt der Russe? Okay, nickt höflich, als hätte er eine Bestellung aufgenommen und zieht seinen Kumpel weg. Ha, dachten wir, das hätten wir erledigt.
Leider zu früh gefreut. Alsbald machte in dem übersichtlichen Laden die Kunde von den 2 Ausländerinnen die Runde und da viele die Gegenwart von Ausländern nicht gewohnt sind und schon gar nicht in SO einem Club, waren wir plötzlich DIE Attraktion des Abends. Jeder wollte sich zu uns an den Tisch setzen und unsere eilends herbeigerufene männliche Verstärkung (Falk) entpuppte sich als wenig hilfreich, da er viel zu höflich war, die Jungs, alle im zarten Anfang-20er-Alter, anzuschnauzen. So waren wir nun für den Rest des Abends von 6-8 sturzbetrunkenen Russen mit vernebeltem Blick, wankendem Gang und Vodka-Flasche in der Hand umgeben. Wo wir nun keine Wahl hatten, redeten wir also auch russisch mit ihnen, denn die Auswahl derer, die englisch sprachen, war sehr gering. Ich wendete meine frischgebackenen Russischkenntnisse an und begeisterte sie mit meinem Akzent. Unsere Gespräche drehten sich pegel-bedingt allerdings immer um das Gleiche: Wo kommt Ihr her, was macht Ihr hier, gefällt Euch Almaty? Also das, was ich auch schon jedem Taxifahrer in dieser Stadt erzählt habe. Zwischendurch nahmen die Jungs immer einen Schluck Vodka aus der Flasche und einen Schluck Cola aus einer anderen Flasche hinterher. Mixgetränk auf Russisch ;-)
So richtig zurechnungsfähig war keiner von denen und bestimmt konnten die sich alle am nächsten Tag nicht mehr an das Gespräch erinnern, aber irgendwie hatten wir dann doch unseren Spaß, mussten ab uns zu mal laut werden, weil der eine oder andere uns etwas zu nah gekommen ist, aber sonst hatten wir bis die Morgendämmerung hindurch bis halb 6 beim Rausschmiss gute Unterhaltung.
Achja und die Musik... die war in der Tat rockig, internationaler und russischer Rock im stündlichen Wechsel. Frauen waren auch da, aber die schienen noch mehr dem Vodka verfallen zu sein, tanzten entweder trance-artig im Raum herum oder hingen hingebungsvoll an einem der Kerle, die nicht gerade an unserem Tisch saßen.
Die Russen sind schon ein putziges Völkchen.

  • Catch the flight
Stellt Euch vor, Ihr stellt Euren Wecker auf 3:10Uhr nachts (zugegeben eine unchristliche Zeit), weil 3:45Uhr Euer Taxi vor der Haustür steht, das Euch zum Flughafen bringen soll, wo Euer Flug 5:45Uhr abheben soll.
Stellt Euch dann vor, Ihr erwacht morgens, macht ein Krakenauge halb auf und grübelt kurz, wie es um 3 schon so hell sein kann, macht das Handy an und erstarrt beim Anblick der Uhrzeit: 4:44Uhr!!!
Eine Stunde vor Abflug und ich hatte noch nicht eingecheckt (geht online nicht in Almaty), also hätte ich genau JETZT am Flughafen sein sollen!
PAAAAAAAAAAANIK!
Maryam angerufen, von der ich wusste, sie hat ihr Handy immer an.
Sie gebeten, das Taxi nochmal zu bestellen.
Mit einer Hand angezogen, Rucksack aufgesetzt.
4:54Uhr Haus verlassen.
Taxi kommt nicht nochmal (waren beleidigt, hatten vergeblich auf mich gewartet um 3:45Uhr und ich hab mein Handy schließlich nachts aus)
Auf Straße gestellt, illegales Taxi angehalten (ein Glück waren um die Zeit Autos unterwegs!)
Doppelten Fahrpreis geboten, auf russisch Dringlichkeit gestammelt.
5:04Uhr losgefahren, wegen hoher Polizeipräsenz keine Überschallgeschwindiglkeit möglich
5:30Uhr Flughafen erreicht.
Laut "Riga" brüllend in die Vorhalle gerannt, Leute weggeschubst, Gepäckscanner ignoriert.
Kein AirBaltic-Schalter zu finden...
Laut "AirBaltic" brüllend zu offiziell aussehendem Typen gerannt, der sagte erst "Gate closed", dann wies er auf einen Anzugtypen, der da in der Gegend rumstand.
Anzugtypen nach AirBaltic gefragt. "Gate closed"
Immerhin sprach er englisch, er war der AirBaltic-Repräsentant. Neben ihm noch 1 Geschäftsmann und 1 Frau&Kind, auch wartend.
Gebettelt: "пожалуйста, пожалуйста..."
Mann ging ans Telefon... Vielleicht wird nochmal geöffnet.
Hoffnung
Mann geht wieder ans Telefon... Nee, doch nicht
Verzweiflung
Offiziell aussehende Frau kommt von irgendwoher... Gate vielleicht doch nochmal auf
Hoffnung
Offiziell aussehender Mann kommt hinzu... Nee doch nicht
Verzweiflung.
Diskutiert, versucht zu bestechen, keine Chance.
Anscheinend waren 4 Nachzügler dann aber doch 1 zuviel und so wurden wir angewiesen, unser Gepäck an einem Universalschalter aufzugeben.
Hoffnung
Rucksack abgelegt (erstmal richtig zugemacht)
Aufkleberrolle ging nicht
Verzweiflung
Kurzentschlossene, absolute nicht-EU-fähige Entscheidung: Nehmt Euer Gepäck mit in den Flieger.
Also schnell vorgedrängelt bei Passkontrolle, bevor die sich das anders überlegen.
Vorgedrängelt bei Handgepäckscanner.
Keinem aufgefallen, dass 20kg-Rucksack kein Handgepäck ist, in dem Flüssigkeiten, Flaschen, Taschenmesser, entflammbares Deo usw. drinwaren.
Security-Dame: "Haben Sie Flaschen in Ihrem Gepäck?", "Ja, aber die da hinten...", weiter kam ich nicht, verständnisvolles Nicken, durchgewunken.
Rucksack wieder aufgeschnallt, zum Abfluggate gerannt.
Falschen Gang runtergelaufen, im Flieger nach Mokau gestanden.
Wieder hoch, nächsten Gang runter, im richtigen Flieger gelandet, 200 wartende Passagiere.
Uhrzeit 6:00Uhr, Puls 180, Adrenalinspiegel maximum.
20kg-Rucksack in Overheadlocker geprügelt, in Sitz gesunken, ersten Atemzug des Tages getan.
Warum muss man eigentlich immer 60Minuten vor Abflug da sein? :-)

  • Eine Busfahrt, die ist lustig
Ein bisschen Anlauf hab ich ja gebraucht, bis ich mich zum ersten Mal getraut hab, alleine Bus zufahren. Der Grund: undurchschaubare Routen, ständige Überfüllung, keine Ahnung, wie man sein Ticket löst.
Mit Hilfe meiner erfahrenen Almaty-Freunde bin ich aber nun Fan des Trolleybus (=O-Bus) Nr. 9 geworden, der vom MegaCenter, wo ich wohne, bis zum Grünen Basar downtown fährt und zwischendurch an vielen wichtigen Plätzen in der Stadt hält.
Die Trolleybusse sind, wie alle öffentlichen Verkehrsmittel, alte abgelegte Fahrzeuge aus Deutschland, Russland oder vergleichsweise neue aus China. Trolleybus Nr. 9 ist aber immer alt. Drin steht ein Ticketautomat, in den wirft man 50Tenge rein und bekommt einen Fahrschein. Bei normalen Bussen muss man das Geld dem Busbegleiter in die Hand drücken.
Am Wochenende ist Nr. 9 jedenfalls auch nicht so voll und so begab ich mein Schicksal in die Hand des Busfahrers, der dem allerdings keinen hohen Wert beimisst.
Busfahrer, besonnene, verantwortungsbewusste, erfahrende Berufsfahrer? HA!
Die Busfahrer hier machen den Eindruck, als hätten sie vorher in ihrem Leben Brennholzfuhren durchs Unterholz gekarrt. Alte Omas fallen im Minutentakt um wegen der starken Beschleunigungs- und Bremsmanöver. Kurven werden auf 2 Rädern genommen, anderer Verkehr wird ausgebremst, Fußgänger angehupt, obwohl sie grün haben und bei Annäherung an eine Haltestelle werden im Fahren die Türen aufgeklappt und wer den Absprung nicht schafft, muss eben weiterfahren.
So manch ein Busfahrer scheint auf der Flucht zu sein, gerade eine Bank ausgeraubt zu haben oder Flüchtlinge über eine Grenze bringen zu wollen.
Manchmal verlieren die Bügel den Kontakt zur Oberleitung. Dann bleibt der Bus stehen (mit Vorliebe mitten auf der Kreuzung), der Busfahrer steigt aufs Dach, richtet den Bügel wieder aus und dann gehts weiter. Einmal allerdings scheint ein bisschen mehr passiert gewesen zu sein. Plötzlich regnete es Blätter, als ob die Bügel die Bäume über uns rasiert hätten. Der Bus blieb stehen, der Busfahrer brüllte was durch den halbvollen Bus, keiner regte sich. Ach doch: alle Männer (es waren 3 anwesend und 20 Frauen+Kinder) mussten aussteigen und den Bus anschieben, während die Frauen und Kinder drinne sitzen blieben. Hat man das schonmal gesehen? Das ist doch mal eine Rollentrennung. 2 der 3 Herren waren Rentner, einer war mit seiner Enkelin, die er dann kurzerhand einer anderen Passantin anvertraute, während er beschäftigt war. Es dauerte ca. 20Minuten, bis alles gerichtet war und dann ging die Fahrt unverändert weiter.
Busfahren, immer ein Abenteuer wert.

  • Die Feiertagsregelung
Wie schon früher mal angedeutet, ist die Regelung, wann gearbeitet wird und wann frei ist, sehr spontan und willkürlich.
1 Woche vorher hat sich nun der Herr Präsident geäußert: Am Samstag wird gearbeitet und dafür haben alle am Sonntag, Montag und Dienstag frei.
Für mich optimal, so können wir Sonntag bis Dienstag unsere geplante Wanderung machen.

  • я люблю алматы - I love Almaty
Ja, Ihr lest richtig, ich liebe diese Stadt. Nicht weil sie so schön, die Menschen so freundlich oder das Essen so lecker wäre (was alles nicht zutrifft).
Sondern, weil jeder Tag ein Abenteuer ist.
Es ist Sommer, jeder Tag ist warm, die Stadt ist grün, es gibt viele Draußen-sitz-Restaurants, ich kenne tolle Leute, mit denen man viel unternehmen kann, ich gehe fast jeden zweiten Tag nach der Arbeit irgendwo mit ihnen essen.
Aber, bei jeder Interaktion mit den Einheimischen, ob im Taxi, im Bus, im Restaurant, im Park, im Supermarkt oder im Club, erlebt man eine skurile Situation. Sie sind nie, wie man es erwartet, schon gar nicht so, wie man es von zu Hause kennt. Sie machen jede Begegnung erzählenswert. Und wenn man denkt, man hat schon alles gesehen, hat wieder ein Kellner eine so ausgeprägte unfreundliche Ader, dass man denkt, dass das nicht zu toppen ist.
Schockieren tut mich hier schon lange nichts mehr, ich hab meinen Frieden mit all den Unzulänglichketen gemacht und kann nur noch drüber lächeln. Wozu aufregen? Wozu schimpfen? So sind die Menschen hier und so kommen sie durch's Leben, ob das mir Westler gefällt oder nicht. Hier muss Servicepersonal nicht freundlich und zuvorkommend sein, hier dürfen Kinder alles und kein Erwachsener schreitet ein, hier darf Essen aus Fett&Knochen bestehen, hier dürfen Busfahrer Psychopathen sein und Taxifahrer müssen gar keine Taxifahrer sein.
Deutschland kommt mir nun langweilig und viel zu einfach vor. Einkaufen, wo einen die Kassiererin versteht? Busfahren, wo man einen Sitzplatz bekommt? Taxifahren und einen horrenden Betrag nach Taxameter bezahlen? Essen gehen ohne stundenlanges Karte-entziffern?
LAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAANGWEILIG!

Montag, 14. Juni 2010

Ausflug zum BAO & Pik Almatinski

Man nehme 5 Leute, die alle seit mindestens 2 Jahren in Almaty leben und füge mich hinzu, die keine Ahnung hat, wovon geredet wird, wenn es heißt: Wir fahren zum BAO und wandern aufn Berg. Nach einigem Umrühren füge man vorsichtig einen Dienstgeländewagen der GTZ hinzu, den man mit reichlich Lebensmitteln und Getränken bestückt und fertig ist der Sonntagsausflug.

Am frühen Sonntagmorgen bei wolkenverhangenen Himmel mit hoher Tröpfelwahrscheinlichkeit trafen wir uns, um zu Almaty's beliebtestem Ausflugsziel zu fahren: dem Balschoj Almatinski osera (большой алматынскй озеро = großer Almatiner See)

Schon unterwegs wurde uns bewusst: Dies wird kein Sommerausflug. Je höher wir kamen, desto tiefer hingen die Wolken, was dem Grün der Landschaft aber keinen Abbruch tat.
Auf notdürftig geflickter Schotter-Schlamm-Straße kämpften wir uns hinauf, um dann an Almatys Trinkwasseraufbereitungsbecken anzukommen, ebenjenem See, der offensichtlich schon mehr Wasser zu bieten hatte.
Da das Wetter noch nicht wirklich zum Wandern einlud und nicht wirklich jedem nach körperlicher Ertüchtigung zu mute war, entschieden wir, weiter hoch zu fahren, vorbei an der Tien Chan-Sternwarte (links im Bild)...
...und hoch auf 3200m, wo das Örtchen "Kosmostanzia" liegt, man merkt sogleich, hier haben die Angestellten einer früheren Sternenwarte gewohnt.
Hier quälten wir uns bei 5°C aus dem Auto, wurden von einem lustigen, uralten Sappo empfangen...
... und machten uns auf den Weg zum nur 400m höher gelegenen Almaty Peak.
Die Sichtweite betrug ca. 10m, es lag Schnee, ein eisiger Wind wehte und irgendwie wusste keiner, warum wir dort hochkraxelten. Am Ende war es vielleicht nur, um das schlechte Gewissen zu beruhigen, bevor wir uns über unsere zahlreichen Picknick-Vorräte hermachten.
Auf über 3km Höhe fühlt man sich jedenfalls sehr alt und man ist sehr langsam und es fühlt sich an, als ob man beim Atmen gar keinen Sauerstoff in die Lungen bekommt. Kurzum: Wir fühlten uns wie auf dem Mount Everest.
Letztendlich waren es aber nur 50 Minuten Aufstieg, bis wir an der Stelle ankamen, die wir in Ermangelung eines höheren Berges in Sichtweite zur Spitze erklärten. Was es hier vor allem gab, waren Raupen. Überall Raupen, nichts als schwarze, puschelige Raupen, die sich ebenfalls in Slow-mo bewegten.
Sind sie nicht süüüß?
Mit Blick ins neblige, verschneite Weiß mampften wir Kekse und tranken warmen Tee, bis uns die Kälte in die verschwitzten Klamotten kroch.
Tja, und dann gings einfach wieder zurück über den unspektakulären Hang...
... mit Blick auf die langsam vom Nebel eingehüllte Kosmostanzia.
Übrigens ein gruseliges, halb verlassenes Dorf voller Ruinen, Baustellen und verwittertem Schutt. In der Mitte ein mehrstöckiges Wohnhaus, wo wir sogar jemanden antrafen, der uns darauf hinwies, dass wir unseren Müll mitnehmen sollten. Die Ironie der Situation verstand der in einem vermüllten, heruntergekommen Örtchen lebende nette Herr bestimmt nicht.
Auf jeden Fall findet zwar schon lange keine Sternenbeobachtung mehr hier statt, sondern stattdessen seismografische Messungen. In einer Stadt, die in den nächsten 10Jahren mithoher Wahrscheinlichkeit von einem großen Erdbeben heimgesucht wird, sicher eine nützliche Einrichtung.
Nun fühlten wir uns nach der 90minütigen Wanderung ausgelaugt genug, um einen schönen Picknick-Platz zu finden. Auf dem Weg nach unten wieder Richtung moderner Sternenwarte bogen wir links ab und fanden den perfekten Platz.
Schnell waren alle Leckereien ausgebreitet und wartete darauf, vernichtet zu werden.
Sogar eine schöne Grillstelle hatten wir.
Wenn doch nur nicht plötzlich ein Platzregen heruntergegangen wäre, der uns in Windeseile unsere Picknickdecken zusammentragen ließ und mit knurrenden Magen verließen wir die Berge, um in der Stadt nach besserem Wetter zu suchen.
Das fanden wir dann auf Heikos Terasse (die wir trotz seiner Abwesenheit nutzen durften), wo wir alles wieder ausbreiteten, den Grill neu befeuerten und just mitten im schönsten Schmaus erneut vom Gewitter mit sintflutartigem Regenfällen heimgesucht wurden.
So wurden die letzten Steaks indoor in der Pfanne gebraten und wir mussten uns immer wieder gegenseitig versichern, dass es ja trotzdem ein schöner Tag gewesen sei :-)

Freitag, 11. Juni 2010

Summer in the city

Was hab ich am Anfang über diese graue, dreckige Stadt geschimpft... Aber siehe da, mit 20 Grad mehr, viel Sonnenschein und unternehmenslustigen Leuten sieht der Himmel viel blauer, die Bäume viel grüner und die Straße viel sauberer aus.
Zu viel arbeiten tu ich immernoch, aber es wird merklich ruhiger. Jetzt komm ich zu den Dingen, die man gerne auf die lange Bank schiebt nach dem Motto: Das machen wir mal, wenn wir viel Zeit haben.
Aber vor allem komme ich dank deutsch-pakistanischer Freundschaften viel rum und lerne viele schöne neue Ecken kennen.

Ihr erinnert Euch an die Holzkirche in einem der ersten Einträge? So schön sieht sie im Sommer aus:Kein Parkeingang ohne ein mächtiges Tor davor:
Und im Gorki-Park tummeln sich hunderte Familien und jede zweite junge Frau schiebt eine Murmel vor sich her, auch wenn sich schon 3 Kleinkinder ihre Hand zum Anfassen teilen...
Gorki-Park ist hier sowas wie Heidepark in seinen Anfängen: Es gibt Karrussels und viele Vergnügungsattraktionen, Liegeflächen, Pools und Ponyreiten und alles ist in so marodem Zustand, dass ich eigentlich Angst um meine Kinder hätte. Die größte Attraktion ist aber die bunte Zuckerwatte, die den Kindern noch Stunden später im ganzen Gesicht klebt.
Mein Block bei glasklarer Sicht (sehr selten):
Ja und auch hier geht jeden Tag die Sonne unter, aber aus meinem 18.Stock sieht es jeden Tag wieder herrlich aus:
Eines unserer Lieblingsrestaurants: Hier sitzt man auf der Dachterasse mit Blick auf den grünen Hügel Kok-tobe und kann direkt vergessen, dass man sich mitten in der Stadt befindet...